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Hommage an



die Gastlichkeit



Von Äbten und Mönchen der Reichenau


Die Insel Reichenau im westlichen Bodensee (Untersee) war einst Mittelpunkt des Abendlandes und die Wiege der karolingischen und ottonischen Kunst. Heute ist die ehemalige Klosterinsel mit einem Umfang von rund 14 Kilometern durch einen Damm mit dem Festland verbunden.

 

Erster Abt des von den Franken gegründeten Klosters war der Westgote Pirmin, ein Wandermönch (Klostergründung 724) aus Gallien oder Irland. Damals gehörten außer der Insel Reichenau die Orte Allensbach, Markelfingen Kaltbrunn, Wollmatingen Allmannsdorf und Ermatingen zum Kloster.

 

In dieser Zeit erschien der heilige Pirmin als neu stärkendes Salz für die Christen am Bodensee. Damals hieß die Insel jedoch nicht Reichenau, sondern war Eigentum eines am gegenüberliegenden Ufer auf Schloß Sandegg (Sandegg lag auf einem Bergvorsprung zwischen Berlingen und Mannenbach, unweit Schloß Salenstein und brannte 1834 ab) wohnenden, sehr begüterten alemannischen Großen, Namens Sintlahs (Sintlas oder Sintlaz ) der ein Richter, Graf oder Landvogt gewesen sein mochte – die Sintlahesovva (Sintleazzouua, Sintlacisaugia) Sintlas-Au.

 

Sintlas, Besitzer der Reichenau, war sehr besorgt um sein Seelenheil und das seiner Untertanen. So unternahm er viele Wanderungen an heilige Orte. Bei einer solchen Wanderung lernte er den frommen Pirminius kennen und bewunderte seinen unermüdlichen Eifer im Dienste des Herrn.

 

Abt Waldo (786-806), Begründer der Reichenauer Gelehrtenschule und der großen Reicheanuer Bibliothek war ursprünglich Bischof der langobardischen Hauptstadt Pavia und Abt von Saint Denis. Mit seiner Ankunft auf der Insel Reichenau begann das "goldene Zeitalter" des Klosters. Sein
Nachfolger, der Abt Hatto I (806-823), förderte die klösterliche Bildung baute das Münster, das im Jahr 816 n. Chr. eingeweiht wurde.


Die bekannteste Gestalt in der langen Reihe der Reichenau Äbte war wohl der Dichter Walahfried Strabo (842-849), Prinzenerzieher und Zentralfigur in den Machtkämpfen zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen. Strabo erhielt seine Ausbildung durch den Erzbischof Hrabanus Maurus, dem größten Gelehrten zur Zeit Karls des Großen. In einem Brief an Papst Gregor IV berichtet Strabo 839 von der „Reichen Au“ am Bodensee: Dieser Ort des Wirkens nimmt den 1. Rang in diesen Teilen der Welt ein. Die Fülle seiner geistigen Weisheit nährt die benachbarten Länder mit reichlicher Lehre. Rund 20 Kirchen und Kapellen gab es damals auf der Klosterinsel, die Klosterbibliothek bestand aus mehr als 415 Bänden.


In der 2. Hälfte des 9. Jh. hatte der Besitz des Klosters eine gewaltige Ausdehnung, 888 wurde der Kaiser im Chor des Münsters bestattet. Kaiser Arnulf erhob Abt Hatto III. (888-913) zum Erzbischof von Mainz und zum Erzkanzler des Reiches. In diese Zeit fällt die zweite glanzvolle Epoche der Reichenau: Die Malschule des Klosters zählte damals zu den größten und bedeutendsten im Reich. Auch pflegten die Mönche die Dichtkunst, die Musik und das Kunsthandwerk.

 

Eine rege Bautätigkeit auf der Klosterinsel entfaltete Abt Wittigowo. Er fasste die verschiedenen Klosterbauten zu einer baulichen Einheit zusammen. Sein Nachfolger Alawich II. erhielt vom Papst das Privileg der Gleichstellung des Inselklosters mit dem Bischof von Konstanz. Auf den als streng geltenden Abtes Immo zu Beginn des 11. Jahrhunderts folgte Abt Berno, der sich als Wissenschaftler und Musiker einen Namen machte. Sein bedeutendster Schüler in der neu erblühenden Schule war der vielseitig begabte Gelehrte und Künstler Hermann der Lahme aus einem Grafengeschlecht von Altshausen. Hermann der Lahme (1013-1054), auch Hermann von Reichenau genannt, gilt bis heute als einer der bedeutendsten schwäbischen Gelehrten und Geschichtsschreiber. Der Benediktinermönch verbrachte die meiste Zeit seines Lebens auf der Klosterinsel, beschäftigte sich mit Musiktheorie, Mathematik, Astronomie, Dichtung und Geschichte und schrieb die erste erhaltene Weltchronik Schwabens.

 

Unter Abt Diethelm von Krenkingen zwischen den Jahren 1169 bis 1206, einem treuen Anhänger Friedrich Barbarossas, erstrahlte noch einmal der Glanz der alten Abtei. Nachdem er aber, seit 1189 auch Bischof von Konstanz, im Jahr 1206 auf alle seine Ämter verzichtet hatte und ins Kloster Salem nördlich des Bodensees eingetreten war, begann der geistige und materielle Niedergang des Inselklosters, 1235 brannte das Klostergebäude teilweise ab.

 

Unter Abt Eberhard v. Brandis (1343-1379) musste 1367 der ganze Klosterbesitz verpfändet werden. Im Jahr 1540, das Mittelalter ging nun in die Neuzeit über, verzichtete Markus von Knöringen zu Gunsten des Bischofs von Konstanz auf die Reichenauer Abtswürde. Die Konstanzer Kirchenfürsten waren nun fortan die Herren der des Kloster Reichenau. Sie richteten als Verwaltungsstelle auf der Insel ein Obervogteiamt ein und verwandelten die einstige Abtei in ein Priorat mit 12 Mönchen. Nach langen und vergeblichen Kämpfendes Konvents um die Wiederherstellung der Abtei wurde das Kloster schließlich durch Papsterlass 1757 vollständig aufgelöst.

 

In der Folgezeit blieb nur eine kleine Kolonie der Mission auf der Insel. Die Säkularisation löschte das klösterliche Leben endgültig aus. Mit dem Bistum Konstanz fielen die Besitzungen der Abtei durch den Reichsdeputionshauptschluss im Jahr 1803 an das Großherzogtum Baden. Seit 2001 lebt wieder eine kleine Gemeinschaft von Benediktinern auf der Insel und knüpft an die benediktinische Tradition der Klosterinsel an.

 

(aus: http://www.badischeseiten.de/reichenau/reichenau-aebte- moenche.php)